WR-Leistungsfach und W-Seminars Recht am Amtsgericht Rosenheim
Im Rahmen einer Exkursion besuchten das WR-Leistungsfach und das W-Seminar Recht am 18.06.2026 das Amtsgericht in Rosenheim. Dort hatten wir die Möglichkeit, eine Gerichtsverhandlung zum unerlaubten Besitz beziehungsweise mutmaßlichen Handel mit Betäubungsmitteln zu verfolgen.
Dabei erhielten wir einen anschaulichen Einblick in den Ablauf einer strafrechtlichen Verhandlung – von der Verlesung der Anklage über die Befragung des Angeklagten und der Zeugen bis hin zur Urteilsverkündung. Besonders interessant war die Aussage eines Sachverständigen, der die psychische und persönliche Verfassung des Angeklagten näher erläuterte und damit wichtige Hintergründe für die Beurteilung des Falls lieferte.
Überraschend war außerdem die Erkenntnis, dass das Erscheinungsbild eines Drogenabhängigen oft nicht den gängigen Vorstellungen entspricht - in unserem Fall ein selbständiger Bäcker. Der Angeklagte erklärte, die Drogen vor allem konsumiert zu haben, um die hohe Belastung in seinem Arbeitsalltag bewältigen zu können.
Nach der Urteilsverkündung nahmen sich die Richterin sowie die Staatsanwältin noch Zeit für unsere Fragen. Sie berichteten aus ihrer Berufspraxis über Fälle von Drogensucht und damit verbundener Beschaffungskriminalität. Dabei warnten sie insbesondere vor den Risiken eines frühen Einstiegs in den Drogenkonsum, der ihrer Erfahrung nach häufig mit Marihuana beginnt. Beeindruckend waren auch die Kosten von ca. 100 000€ pro Jahr, die zum Beispiel nach Strafgesetzbuch § 64 „Unterbringung in einer Entziehungsanstalt“ anfallen, wenn eine Therapie statt Gefängnis angeordnet wird.
Der Besuch war insgesamt sehr informativ und bot spannende Einblicke in die Arbeit der Justiz sowie in die gesellschaftlichen Herausforderungen im Umgang mit Drogenkriminalität und Sucht.