Bin ich handysüchtig?

Im Rahmen eines Unterrichtprojekts der Klasse 10c im Fach Deutsch entschlossen sich 14 von 26 Schülern, ihr Handy freiwillig in den Tresor unserer Schule einzuschließen und so mussten diese Schülerinnen und Schüler eine Woche ohne das nahezu unentbehrliche Smartphone auskommen. Von ihren Erfahrungen berichten die Schüler im folgenden Text. Auf einer Seite der Universität Mannheim kann man übrigens einen Onlinetest zur Frage in der Überschrift absolvieren.

«Je länger ich auf das Handy verzichtet habe desto mehr stieg meine Konzentration und mein Interesse für andere Dinge. Ich war lange nicht mehr so fokussiert. Durch die Woche wird einem bewusst, wie viel Zeit man wirklich am Handy verbringt. Wenn man nichts zu tun hat, ist es sonst meist selbstverständlich, dass man Nachrichten verschickt und liest oder die neuesten Posts ansieht, die auf den sozialen Netzwerken hochgeladen worden sind. Doch durch das Projekt sucht man sich Alternativen und macht Dinge, die man sonst nie machen würde, da der Griff zum Handy der schnellere und bequemere Weg wäre. Die Woche war im Gesamten sehr sinnvoll, auch wenn sich ein paar Probleme ergeben haben, die man allerdings lösen konnte.»

«Meine größten Probleme ohne Smartphone wurden offenbar, als ich neue Termine mitgeteilt bekommen habe, aber auch, als ich gefragt wurde, wann ich denn Zeit habe. Dies gestaltete sich kompliziert, da ich meinen Kalender online verwalte und somit nicht mehr darauf zugreifen konnte. Das viel offensichtlichere Problem war aber, dass ich keine Möglichkeit mehr hatte, andere anzurufen, wenn ich zum Beispiel eher als geplant Schulschluss hatte. Der Verzicht sowohl auf Messenger-Dienste als auch auf Social-Media-Plattformen war nicht problematisch, sondern reine Gewöhnungssache.»

«Die fünf Tage sind anders als sonst. Ich komme gut damit klar, ohne Handy auszukommen, aber normal ist es nicht. Alltagssituationen, in denen man immer das Handy in der Hand hat und recherchiert oder zum Beispiel Zugfahrten erlebt man, also ich zumindest, in der Woche ganz neu. Man beobachtet ganz andere Dinge und andere Dinge werden einem klar. Schwer fällt mir diese Woche ohne Handy nicht, aber gewöhnungsbedürftig ist es schon. Ein großer Nachteil sind die organisatorischen Dinge, die heutzutage, einfach nicht mehr anders geplant werden können. In Zukunft werde ich darauf achten, etwas unabhängiger von meinem Handy zu werden.»

«Winston Smith, Protagonist des Buches „1984“ von George Orwell, schrieb in sein Tagebuch: „Freiheit bedeutet die Freiheit, zu sagen, dass zwei und zwei vier ist.“ Während der smartphonefreien Woche habe ich mir viele Gedanken über diese Aussage gemacht und habe es letztendlich für mich neu definiert: „Freiheit bedeutet die Freiheit, anders zu sein.“ Dazu gilt für mich auch der Verzicht auf ein Luxusgut unserer Zeit, das die meisten Menschen, die dieses Projekt nicht unterstützen, in meiner Gegenwart trotzdem nutzten. Die Menschen, die Teil dieses Projektes waren, wissen jetzt, wie es sich anfühlt, anders zu sein, während die anderen immer noch denken, das Smartphone sei unentbehrlich für das menschliche Leben.»

«Uns geht das Mobiltelefon gar nicht so sehr ab, wie wir anfangs der Woche dachten. Den Verzicht bemerken wir vor allem bei Langeweile, wenn Freunde ständig am Handy sind und in Situationen in denen der kurze Gebrauch sowohl sinnvoll als auch praktisch wäre (z.B. Zugfahrplan, Uhrzeit, Erreichbarkeit). Besonders vermissen wir zwar das Musikhören und den einfacheren Kontakt über die sozialen Medien mit Freunden und Familie, jedoch nutzen wir unsere Zeit tatsächlich sinnvoller (z.B. Mario Kart, lange Festnetztelefonate, Zeit für die Familie).»

August 2022
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